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DachbegrĂŒnung

Text Datum Benutzer
DachbegrĂŒnung
Guten Tag,
wir suchen Informationen zum Thema DachberĂŒnung:
Luftverbesserung, Wasserhaushalt, Kosten, Pflege, etc.
FĂŒr Infos vielen Dank zum voraus.
F. Degen
03 Mar 2008
17:28:12
Degen Franz
DachbegrĂŒnung
Hallo,
der Text im Anhang wird Dir sicher weiterhelfen.
Viel Erfolg
Gruss Petermann
VORTRAG DACH- UND FASSADENBEGRÜNUNG
Dach- und FassadenbegrĂŒnung
Der folgende Text basiert auf einem Vortrag aus der Vorlesungsreihe \"Ökologische GebĂ€udetechnik\" - Sommersemester 1996.

Inhaltsverzeichnis
Zur Bedeutung der HausbegrĂŒnung; was bewirken Pflanzen am Haus
Psychologische und soziologische Wirkungen auf die Bewohner
Architektonisch-gestalterische Gesichtspunkte
Luftverbesserung
Luftreinigung
Verringerung der vertikalen Luftbewegung
Temperatursenkung und ausgeglichene Luftfeuchtigkeit
WasserrĂŒckhaltefĂ€higkeit
Windschutz
Schutz vor WĂ€rmestrahlung
WÀrmedÀmmung
Schallschutz
Geschichte der DachgÀrten
DachbegrĂŒnung
Allgemeiner Aufbau
Intensive DachbegrĂŒnung
Extensive DachbegrĂŒnung
AusfĂŒhrung spezieller Bereiche der DachbegrĂŒnung
Brandschutz - GrĂŒndĂ€cher als \"harte Bedachung\"
BegrĂŒnte Fassaden
Geschichtlicher Hintergrund der FassadenbegrĂŒnung
Ökologische und ökonomische Funktionen der FassadenbegrĂŒnung
Voraussetzungen fĂŒr die BegrĂŒnung von Fassaden
Pflanzenarten
Kletterhilfen

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Einleitung - HausbegrĂŒnungen, warum?
Seit den 80er Jahren hat die SensibilitĂ€t fĂŒr Umweltfragen in der Bundesrepublik stark zugenommen. Waren es anfangs nur einige wenige \"grĂŒne\" Aktivisten, die auf Themen wie Luftverschmutzung, Ressourcenverbrauch aufmerksam machten, so hat sich bis heute das Verhalten Aller mehr oder weniger stark gewandelt. In einigen Bereichen gehören Forderungen von damals inzwischen zum Alltag (z.B. MĂŒlltrennung, sparsamer Umgang mit Wasser, PrĂŒfung von Baumaßnahmen auf ihre UmweltvertrĂ€glichkeit, etc.)

Trotzdem nimmt die Zahl der warnenden Meldungen nicht ab, sondern steigt weiter an. Smog, Treibhausklima, Ozonloch, aussterbende Tierarten, diese Stichworte begegnen uns fast tagtÀglich.

Angesichts dieser globalen Probleme sollen wir uns jetzt mit der BegrĂŒnung von einigen Fassaden und DĂ€chern beschĂ€ftigen?
Die Antwortet lautet meiner Meinung nach eindeutig ja, und einige der GrĂŒnde dafĂŒr möchte ich jetzt erlĂ€utern:

- als unstrittig gilt der Satz, daß globale Probleme ihren Ausgangspunkt im lokalen Bereich haben. Und fĂŒr uns ist dieser lokale Bereich die Stadt. Stadt als Lebensraum allgemein und speziell die Stadt, in der wir leben und die wir mit unserer Arbeit beeinflussen.

1. Zur Bedeutung der HausbegrĂŒnung; was bewirken Pflanzen am Haus
Das Leben in den StĂ€dten wird durch die stetig steigende Konzentration von GebĂ€uden und Verkehr immer ungesunder. In der alten Bundesrepublik wurden jĂ€hrlich ca. 400 km2 ĂŒberbaut. Dieser Wert entspricht in etwa 2/3 der FlĂ€che des Bodensees. Mit dem Bauboom in den neuen LĂ€nder ist dieser Wert noch weiter angestiegen.

Heizanlagen und auch der weiterhin explosiv steigende Individualverkehr verbrauchen den knapp gewordenen Sauerstoff und produzieren Schadstoffe in kaum noch vorstellbaren Mengen! Die Stichworte Ozonloch, Luftverschmutzung, Smog, Treibhauseffekt sind ja jedem gelĂ€ufig. Die Liste der durch den Menschen verursachten Störungen der Natur ließe sich fast beliebig fortsetzen. Es geht an dieser Stelle aber nicht um die globalen Probleme, sondern um unser lokales Umfeld, die StĂ€dte, in denen wir leben, auch wenn es direkte und indirekte ZusammenhĂ€nge zwischen lokalen und globalen Problemen gibt.

Ein Stichpunkt fĂŒr die Betrachtung der Wirkungsweisen von HausbegrĂŒnungen ist das stĂ€dtische Mikroklima: versiegelte FlĂ€chen fĂŒhren zu einer Überhitzung des Stadtklimas; die am Boden abgelagerten Schmutz- und Schadstoffpartikel werden durch die entstehende Thermik nach oben gewirbelt und verteilen sich ĂŒber die ganze Stadt. An der aufsteigenden Luft kondensieren Staubpartikel und es bildet sich eine Dunstglocke ĂŒber der Stadt, die zu verstĂ€rkter Wolkenbildung, Nieselregen und VerkĂŒrzung der Sonnenscheindauer fĂŒhrt.

Dies sind nur einige wenige der Folgen der fortschreitenden Besiedlung und Verschmutzung der Umwelt. Wenden wir uns jetzt den Möglichkeiten der HausbegrĂŒnungen zu, diesen Symptomen entgegen zu wirken.

Das BegrĂŒnen von VorgĂ€rten und Höfen, vor allem aber das BegrĂŒnen von DĂ€chern und Fassaden, kann helfen das ungesunde Stadtklima zu verbessern: Die Luft wird von Schadstoffen gereinigt und mit Sauerstoff angereichert, die belastenden Temperatur- und Feuchtigkeitsschwankungen werden verringert. Weiterhin wirken begrĂŒnte DĂ€cher und Fassaden auf die GebĂ€ude in ökonomischer Weise wĂ€rmedĂ€mmend, wĂ€rmespeichernd und schallschĂŒtzend. HausbegrĂŒnungen sind deshalb ein wesentlicher Beitrag fĂŒr ein ökologisch-ökonomisches Bauen. HausbegrĂŒnungen haben sowohl hygienische als auch soziologische Funktionen zu erfĂŒllen, wie zum Beispiel:

Psychologische und soziologische Wirkungen auf die Bewohner begrĂŒnter HĂ€user.
Architektonisch-gestalterische Gesichtspunkte
Luftverbesserung
Luftreinigung
Verringerung der vertikalen Luftbewegung
Temperatur- und Feuchtigkeitsregulierung
WasserrĂŒckhaltefĂ€higkeit
Windschutz
Schutz vor WĂ€rmestrahlung
WÀrmedÀmmung
Schallschutz
Auf diese Vielzahl von Funktionen möchte ich nun im Einzelnen nÀher eingehen!

1.1 Psychologische und soziologische Wirkungen auf die Bewohner
Der psychologische Aspekt der HausbegrĂŒnung ist neben den mikroklimatischen Vorteilen der bedeutendste Grund fĂŒr die BegrĂŒnung von GebĂ€uden!

Waren Pflanzungen an HĂ€usern frĂŒher ĂŒberwiegend aus architektonisch-gestalterischen GrĂŒnden vorgesehen, so wird heute das GrĂŒn am Haus als ein Ersatz fĂŒr die verwĂŒstete und aus der Stadt vertriebene Natur angesehen.
Befragungen der Einwohner von GroßstĂ€dten ergaben, daß sich 70 - 80 % der Bevölkerung mit GrĂŒn in ihren Stadtteilen unterversorgt fĂŒhlen.
Dies ist auch nicht weiter verwunderlich, wenn man bedenkt, daß sich der tĂ€gliche Ausblick aus der Wohnung auf verkarstete Fassaden, Dachaufsichten von NebengebĂ€uden, Brandmauern und Asphalt beschrĂ€nkt.

Aus einer Untersuchung an FlĂ€chennutzungsplĂ€nen von 25 deutschen GroßstĂ€dten ging hervor, daß in fast allen StĂ€dten 40 % der GemeindeflĂ€chen ĂŒberbaut und versiegelt sind; in manchen StĂ€dten sogar 50 %. Interessant ist, daß der Anteil der versiegelten FlĂ€chen sich in den letzten 30 Jahren bei sinkender Bevölkerungszahl und stagnierender Wirtschaft fast verdoppelt hat. Einer der GrĂŒnde dafĂŒr ist sicherlich im steigenden Platzanspruch jedes Einzelnen zu sehen.

Noch nie zuvor hat sich der Mensch in seiner Geschichte durch solch forcierte Versteinerungsprozesse von den absolut lebenswichtigen SinneseindrĂŒcken des tĂ€glichen Kontaktes mit den natĂŒrlichen Klima- und Lebensfaktoren getrennt. Die Natur ist an die Peripherie der StĂ€dte gerĂŒckt; eine unmittelbare Naturanschauung wird erschwert, die Aufgeschlossenheit gegenĂŒber der Natur wird verringert oder sie geht ganz verloren. Holen wir die Natur durch die BegrĂŒnung von HĂ€usern in die StĂ€dte zurĂŒck, so können wir mit relativ geringem Aufwand eine unpersönliche Wohnumwelt individuell gestalten und damit die Voraussetzung fĂŒr den Bewohner schaffen, sich mit seiner Behausung stĂ€rker als bisher zu identifizieren.

Allzuoft ist das begrĂŒnen der Fassaden und des Balkons die einzig legale, nachtrĂ€gliche VerĂ€nderung, die ein Mieter an seinem Haus oder seiner Wohnung vornehmen darf. Doch diese Verschönerungsabsichten haben leider nicht den gleichstarken Effekt wie bereits rechtzeitig in der Planungsphase bedachte, bzw. nachtrĂ€glich durchgefĂŒhrte, großflĂ€chige (also das gesamte GebĂ€ude betreffende) BegrĂŒnungsmaßnahmen! Pflanzen am Haus Ă€ndern dessen Erscheinungsbild von Jahreszeit zu Jahreszeit. Pflanzen werden zu Mitbewohnern, die durch ihre stĂ€ndig Ă€ndernden GerĂŒche, Farben und Bewegungen natĂŒrliche SinneseindrĂŒcke geben bzw. neu erschließen.

1.2 Architektonisch-gestalterische Gesichtspunkte
Die architektonisch-gestalterischen Möglichkeiten liegen in der GegensĂ€tzlichkeit von Gebautem und Wachsendem: Exakte Formen lösen sich auf in bewegte Formen, bauliche Elemente werden kaschiert oder betont. Kleines, großes, lockeres oder dichtes Blattwerk zeichnet filigrane oder krĂ€ftige Wandstrukturen.

Eine flĂ€chendeckende oder auch nur teilweise BegrĂŒnung lĂ€ĂŸt ein GebĂ€ude als eingehĂŒllt oder akzentuiert bekleidet erscheinen. Ohne komplizierte VorsprĂŒnge in GebĂ€uden zu planen können Nischen, Rundungen, ZwischenrĂ€ume gepflanzt werden.
Allerdings lassen sich entwurfliche MĂ€ngel nur bedingt zupflanzen!

1.3 Luftverbesserung
Pflanzen wandeln bekannterweise unter Ausnutzung von Sonnenenergie und Wasser Kohlendioxid in Kohlenhydrate (zum Aufbau des Pflanzenkörpers) und Sauerstoff um. Dieser Prozeß wird Photosynthese bzw. Assimilation genannt.

In der GrĂŒnliteratur findet man oft phantastische Zahlen ĂŒber die mögliche Sauerstofferzeugung von Pflanzen. Neuere Untersuchungen, die Klima, Standortbedingungen, PflanzenernĂ€hrung und -versorgung, sowie die Unterschiede bei einzelnen Pflanzenarten berĂŒcksichtigen, kommen zu weniger pauschalen und weniger hochtrabenden Ergebnissen.

Bei einer Durchschnittsrate werden an einem langen 12 Stunden Tag pro m2 BlattoberflĂ€che ĂŒblicher BĂ€ume etwa 4 Liter Sauerstoff gebildet. Ein Wert der allerdings aufhorchen lassen sollte ist, daß bei einem ungemĂ€hten Grasdach (mit ca. 100 m2 BlattoberflĂ€che je m2 GrundflĂ€che), bereits 1,5 m2 so viel Sauerstoff erzeugen kann, wie ein Mensch pro Jahr benötigt.

Bei begrĂŒnten Fassaden ist die Sauerstoffproduktion jedoch wesentlich niedriger, da selbst dichte, 10 - 15 cm dicke Pflanzenpolster aus wildem Wein nur ca. 3 - 5 m2 BlattoberflĂ€che je m2 WandflĂ€che haben. Ein ungemĂ€htes Grasdach produziert also 10 - 30 mal soviel Sauerstoff wie eine dicht begrĂŒnte Fassade.

In den StĂ€dten erfolgt der Sauerstoffaustausch, wie ĂŒberall, großrĂ€umig, daß heißt es sind vor allem zunĂ€chst großflĂ€chige Luftaustauschzonen in Form radialer GrĂŒnflĂ€chengĂŒrtel um und GrĂŒnschneisen in die StĂ€dte zu schaffen. Deren Effekt auf die Verbesserung der Luft ist noch höher einzuschĂ€tzen als die Auswirkungen von Dach- und FassadenbegrĂŒnungen!

Aber das eigentliche Problem der Luft in unseren StĂ€dten liegt nicht unmittelbar im Sauerstoffmangel, sondern in der Belastungen der Luft mit anderen Substanzen begrĂŒndet.

Hier ist vor allem die Reinigungswirkung der Pflanzen von Bedeutung.

1.4 Luftreinigung
Die Wirkung der Luftreinigung durch Pflanzen ist in Fachkreisen weiterhin sehr umstritten. In der Literatur werden Werte von ca. 0,5 Kg Staub- und Schmutzpartikel je m2 DachflÀche pro Jahr genannt.

Andere Quellen sprechen davon, daß bis zu 90 % Luftreinigung stattfindet; wieder andere geben fĂŒr DachgĂ€rten bis zu 20 % an; ein Autor nennt gar an drei verschiedenen Stellen eines Buches unterschiedliche Werte.

Man sollte die Wirkung der Pflanzen auf die Luftreinigung auf keinen Fall ĂŒberschĂ€tzen!

Andererseits ergab sich bei einer Messung an einer Baumallee, daß diese, im Vergleich zu einer baumfreien Straße, den Staubgehalt der Luft um ein Drittel senken kann. Dieser Effekt ergibt sich aus der großen BlattoberflĂ€che der BĂ€ume.

An diesen OberflĂ€chen können Staub- und Schmutzpartikel haften bleiben und vom Regen in den Boden gespĂŒlt werden bzw. die BlattoberflĂ€chen absorbieren gasförmige Schadstoffe. Durch die Absorbtion werden die Schadstoffe in den BlĂ€ttern angereichert und im Herbst mit dem Laubfall dem Boden zugefĂŒhrt.

Gerade dadurch aber wird die Aufnahme von Verunreinigungen aus der Luft aber zu einer zweischneidigen Angelegenheit. Zum einen können sich die Schadstoffe im Boden und in den NiederschlĂ€gen anreichern (saurer Regen), zum anderen schadet eine große Aufnahme ĂŒber lĂ€ngere Zeit den Pflanzen (Stichwort Waldsterben).

Bei gasförmigen Luftverunreinigungen hat ein trockener Pflanzenbestand wie das \"Grasdach\" zum Beispiel nur eine geringe Filterwirkung; immergrĂŒne, bodenbedeckende Bepflanzungen absorbieren durch die Feuchtigkeit an der BlattoberflĂ€che viel eher einen Teil der Luftschadstoffe.

Staubförmige Luftverunreinigungen dagegen werden auch durch trockene Pflanzen gefiltert, da sich die Staub- und Schmutzpartikel auch ohne den \"Klebstoff Wasser\" an den Pflanzen anlagern.

Über die Absorption von Schwefeldioxid und Kohlenmonoxid durch Pflanzen sind bisher nur sich widersprechende Resultate publiziert worden. Bevor hier endgĂŒltige wissenschaftliche Resultate vorliegen, sollte man zum Thema Luftreinigung nur sagen, daß ein Aufnahmevermögen dieser Schadstoffe im Bereich des Möglichen liegt.

1.5 Verringerung der vertikalen Luftbewegung
WĂ€rmeisolierte, bekieste FlachdĂ€cher heizen sich in Mitteleuropa an einem Sommertag bei 25°C Lufttemperatur bis zu 60°C auf, im Extremfall sogar bis zu 80°C. Durch dieses Aufheizen entsteht ĂŒber den DĂ€chern eine vertikale Luftbewegung, die bewirkt, daß die abgelagerten Staub- und Schmutzpartikel auf den Straßen und Höfen in die Luft geblasen werden und sich so Schmutz- und Dunstglocken ĂŒber den StĂ€dten bilden.

Beim Grasdach jedoch ist die Temperatur im Graspolster niedriger als die Lufttemperatur; es entsteht keine bzw. nur eine geringfĂŒgige Thermik.

Die Geschwindigkeit der aufsteigenden Luft an Fassaden ist wesentlich höher als die vertikale Luftbewegung ĂŒber den DĂ€chern, so daß sie große Mengen von Staub- und Schmutzpartikeln mit sich trĂ€gt und eventuell durch geöffnete Fenster in die RĂ€ume tragen kann. Durch begrĂŒnte Fassaden entstehen Turbulenzen, die die Luftgeschwindigkeit bremsen; Schmutzpartikel setzen sich am BlattgrĂŒn fest bzw. werden absorbiert.

Durch die Vegetation wird die aufsteigende Luft zusĂ€tzlich gekĂŒhlt, bedingt durch die damit verbundene Zunahme ihres Gewichtes wird die Geschwindigkeit nochmals verringert.

Allein aus diesen GrĂŒnden mĂŒĂŸten in großem Maße DachflĂ€chen und Fassaden begrĂŒnt werden, weil dies die wirkungsvollsten Methoden sind ein schlechtes Stadtklima zu verbessern.

1.6 Temperatursenkung und ausgeglichene Luftfeuchtigkeit
Bei der Verdunstung von Bodenwasser durch die Pflanzen wird der Umgebung WĂ€rme entzogen; der Feuchtigkeitsgehalt der Luft steigt an. Dieser Effekt macht sich jedoch, je nach GrĂ¶ĂŸe der begrĂŒnten FlĂ€che, teilweise nur in unmittelbarer NĂ€he bemerkbar. Er wĂ€chst allerdings mit der Ausdehnung der GrĂŒnflĂ€che an. Da eine beliebige Ausdehnung von GrĂŒnflĂ€chen aus Platzmangel in den StĂ€dten nicht realisierbar ist, könnte ein dichte Aneinanderreihung von kleineren, bislang ungenutzten FlĂ€chen, wie DĂ€chern, Fassaden, Höfen und PlĂ€tzen die gleiche Aufgabe ĂŒbernehmen.

Andererseits können Pflanzen, dort wo es notwendig ist, auch helfen die Luftfeuchtigkeit zu verringern; so kondensiert zum Beispiel Nebel am Laub und wird in Form von Wassertropfen in das Erdreich abgeleitet.

1.7 WasserrĂŒckhaltefĂ€higkeit
Bei unbegrĂŒnten DĂ€chern fließt der grĂ¶ĂŸte Teil des Jahresniederschlages (ca. 750 mm) in die stĂ€dtische Kanalisation und nur ein kleiner Teil davon (ca. 100 - 150 mm) verdunstet. GrĂŒndĂ€cher wirken mit ihren Pflanzen- und Bodenschichten als Wasserspeicher. Bei begrĂŒnten DĂ€chern mit ca. 20 - 60 cm Substratdicke können 150 mm Wasser gespeichert werden, was dem Mittel von 2 Monaten entspricht.

Als Faustregel kann gelten, daß etwa die halbe Volumenmenge eines Bodenaufbaus von DachbegrĂŒnungen Wasser speichern kann - bei 10 cm Bodenhöhe sind das 5 cm Wasser - dies entspricht 50 Litern Wasser/m2.

Somit tragen GrĂŒndĂ€cher durch ihre Puffer- und Verzögerungswirkung zur erheblichen Entlastung der stĂ€dtischen Kanalnetze bei.

Abgesehen von dieser Wasserspeicherung wirken die Bodenschichten als Filter, da sie den ablaufenden Teil des Regenwassers reinigen. Mit Hilfe der Photosynthese wird außerdem sauberes Wasser in molekularem Zustand wieder dem Wasserkreislauf zugefĂŒhrt.

1.8 Windschutz
Der WĂ€rmeverlust eines Hauses durch Wind kann je nach Lage, Form und AusfĂŒhrung des GebĂ€udes bis zu 50 % des Gesamtenergieverlustes ausmachen. Aus diesem Grund ist die Erreichung eines maximalen Windschutzes an der Fassade eine der erfolgversprechensten Energiesparmaßnahmen. Ein geschlossener, gleichmĂ€ĂŸiger Bewuchs hebt den Wind von der Fassade ab und lĂ€ĂŸt ihn an den BlattoberflĂ€chen vorbeistreichen.

Ein ungleichmĂ€ĂŸiger, dichter Bewuchs und vorallem die sogenannten HeckenwĂ€nde vor dem Haus wirken direkt windbremsend. Bei Untersuchungen mit HeckenwĂ€nden hat man folgende Wirkungen festgestellt:

Die Geschwindigkeit des Freilandwindes kann um ca. 2/3 reduziert werden
Die Tagestemperaturen liegen im Jahresmittel um 2 - 3°C höher, an sonnigen, windigen Tagen kann die Temperatur sogar um 10 - 12°C höher liegen
Die Nachttemperaturen liegen im Mittel etwa 2°C höher
Vorallem an der Wetterseite des Hauses schĂŒtzen BegrĂŒnungen vor Schlagregen und Fassadenauswaschungen.

1.9 Schutz vor WĂ€rmestrahlung
Im Vergleich zu dunklen DĂ€chern, die sich im Sommer, wie bereits erwĂ€hnt, bis auf 80 °C aufheizen können, erwĂ€rmt sich ein GrĂŒndach sehr viel geringer. Diese Tatsache hat ihre Ursache zum einen in der großen OberflĂ€che der Pflanzen (Schattenbildung, Reflexion von Strahlung), zum anderen in der von Pflanzen produzierten VerdunstungskĂ€lte, die beim Übergang von flĂŒssigem Wasser in den gasförmigen Zustand durch Energieentzug aus der Umgebung entsteht.

Dies bedeutet in erster Linie, daß eine BegrĂŒnung durch Absorption und Reflexion der kurzwelligen Sonnenstrahlen einen erheblichen Schutz fĂŒr die Dachabdichtung und die Dehnungsbeanspruchung des DĂ€mmaterials darstellt.

In der Nacht geben GrĂŒndĂ€cher wenig WĂ€rme ab, da die Pflanzendecke Ausstrahlungsschutz bietet, was zur AbkĂŒhlung der, auch nachts noch stark aufgeheizten, Stadtluft beitragen kann. Außerdem verbessert sich das Innenklima von RĂ€umen, die unterhalb von begrĂŒnten DĂ€chern liegen, da GrĂŒndĂ€cher als temperaturtrĂ€ges Bauteil Außentemperaturschwankungen nur gering in den Innenraum abgeben.

Dies gilt ebenso fĂŒr Pflanzenpelze an Fassaden. zudem \"jalousieren\" (drehen) sich die BlĂ€tter je nach Sonnenstand, so daß zwischen dem Pflanzenpelz und der Hauswand eine kaminartige Konvektion entsteht. Ferner bringt die Verdunstung der Pflanzen eine Luftströmung, den sogenannten \"Flurwind\" fĂŒr eine bepflanzte Stadtstraße. Bei vielen bepflanzten Fassaden kann das zur Verbesserung des Stadtklimas beitragen.

1.10 WÀrmedÀmmung
Pflanzenpolster an Fassaden können erhebliche WĂ€rmedĂ€mmwirkungen erzielen. Das Luftpolster zwischen Blattwerk und Wand verringert den WĂ€rmetransport von Wand zu Außenluft, wirkt also wie eine zusĂ€tzliche WĂ€rmedĂ€mmschicht! Eine 5 cm starke, stehende Luftschicht entspricht in ihrer WĂ€rmedĂ€mmwirkung etwa einem k-Wert von 2,9 W/m2k und ist somit dem k-Wert einer Doppelglasscheibe gleichzusetzen. Besonders an Windseiten nimmt die Schutzwirkung des Bewuchses mit seiner Tiefe zu, da AuskĂŒhlungseffekte durch den Wind vermieden werden.

FĂŒr den WĂ€rmeschutz des GrĂŒndaches gelten dieselben Vorschriften wie fĂŒr andere DĂ€cher. In der Regel ist das GrĂŒndach ein unbelĂŒftetes Flachdach, also in seinen wĂ€rmedĂ€mmenden Schichten so aufgebaut wie ein sogenanntes \"Warmdach\".

FĂŒr die Berechnung des WĂ€rmedurchlaßwiderstandes l/Großlambda (\" WĂ€rmedĂ€mmwert) dĂŒrfen nach DIN nur diejenigen Schichten angesetzt werden, die vor direkter Feuchteeinwirkung geschĂŒtzt sind; also die Schichten unter der Abdichtung. Dies bedeutet, daß die WĂ€rmedĂ€mmwirkung der Substratschichten nicht in diese Berechnungen mit einfließen dĂŒrfen und somit auch keine Verringerung der Dicke von WĂ€rmedĂ€mmstoffen bewirken können. So stellt die DĂ€mmwirkung durch Substratschichten nur eine zusĂ€tzliche Möglichkeit dar, ĂŒber die gesetzlichen Werte hinaus Energie einzusparen.

1.11 Schallschutz
Bei begrĂŒnten DĂ€chern ist in der Regel nicht die schalldĂ€mmende Wirkung der Pflanzen, sondern die der Substratschicht entscheidend. Die Pflanzenschicht bewirkt lediglich eine geringfĂŒgige Verminderung des Schalls hoher Frequenzen durch Absorption. Die Werte liegen im Vergleich zu einem Kiesdach um etwa 2 - 3 dB(A) niedriger. Als Faustregel gilt dabei, daß eine Verringerung um 10 dB(A) einer Halbierung der LautstĂ€rke entspricht.

FĂŒr eine wirkungsvolle LĂ€rmfilterung durch Pflanzen wĂ€ren jedoch Vegetationsschichten erforderlich, die ĂŒblicherweise nicht durch DachgĂ€rten erreicht werden können. Dagegen bieten Erdschichten eine sehr gute DĂ€mmung des Luft- und Körperschalls. Eine Substratschicht von 12 cm Dicke erreicht etwa 40 dB(A) und bei einer Dicke von 20 cm werden etwa 46 dB(A) erreicht.

PflanzenvorhĂ€nge an Fassaden, besonders schwerblĂ€ttrige, dicke und dichte Bepflanzungen, reagieren auf Schallwellen durch Mitschwingen der BlĂ€tter, d.h. sie verzehren Energie und mindern Reflexionen, besonders in Hinterhöfen und Straßenschluchten. Je nach Pflanzenart, Dichte und Jahreszeit können Pflanzenteppiche an HĂ€usern Schall mindern. Bei Untersuchungen ergaben sich Werte bis zu 5 dB(A) Schallminderung. Dieser Effekt der FassadenbegrĂŒnung sollte, gerade bei der heutigen LĂ€rmbelastung in den StĂ€dten, nicht unterschĂ€tzt werden.

2. Geschichte der DachgÀrten
Die Ă€ltesten Beispiele fĂŒr DachgĂ€rten sind die \"hĂ€ngenden GĂ€rten der Semiramis\" aus Babylon, die im 6. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung erbaut wurden und heute zu den sieben Weltwundern gerechnet werden. Nach Schilderungen Diodors bestanden sie aus asphaltgetrĂ€nktem Rohr, worauf zwei Schichten Ziegel als Unterlage fĂŒr eine Bleideckung und die ErdaufschĂŒttung kamen. Der Kult des ursprĂŒnglich phönizischen Gottes Adonis (Sinnbild des Entstehens und Vergehens) war in Rom verbunden mit hĂ€uslichen Feiern, die eine DachbegrĂŒnung erforderlich machten. Aber auch damals bildeten DachgĂ€rten eine Ausnahme, denn nur die FĂŒrsten- und HerrschaftshĂ€user waren so massiv gebaut, daß sie einen Dachgarten tragen konnten.

In Mitteleuropa begrĂŒnte DĂ€cher zu bauen ist jedoch keine Erfindung der Nachkriegszeit. Schon mit den sogenannten Revolutionsarchitekten wird der Gedanke des flachen begrĂŒnten Daches zum ersten Mal systematisch zum Prinzip einer modernen Architektur gemacht. Francois Barbiere baute 1785 bei Marly eine SĂ€ule als Wohnhaus, die oben schrĂ€g abgebrochen und durch Wildwuchs als Ruine gestaltet war.

Unmittelbar nach der Erfindung des Stahlbetons und im Zusammenhang mit der durch den Belgier Hennebique erfundenen Berechnungsmethode, wie wir sie heute noch prinzipiell verwenden, baute dieser 1887 im Pariser Vorort Bourg-la-Reine sein eigenes Wohnhaus mit bepflanztem DachflÀchen.

Um die Jahrhundertwende gab es in Berlin etwa 2.000 GrĂŒndĂ€cher, die als sogenanntes Holzzementdach konstruiert waren. 50 von ihnen sind heute noch und dicht! 1839, von Böttchermeister Samuel HĂ€usler aus Hirschberg in Schlesien entwickelt, besteht die Konstruktion des Holzzementdaches aus einer KiesschĂŒttung auf Teerpappe. Anstelle von Kies wurde hĂ€ufig auch Bauaushub und Bauschutt verwendet. Im Laufe der Zeit siedelten sich Pflanzen an, so daß man ein Holzzementdach als Wildwiese bezeichnen kann. Wegen des extremen Standortes und keiner zusĂ€tzlichen BewĂ€sserung fand eine stĂ€ndige Aussonderung der Pflanzen der heimischen Flora statt.
Zwar hat der Erfinder des Holzzementdaches eher an den Brandschutz als an einen Bewuchs gedacht, da aber diese DĂ€cher in der Mehrzahl fĂŒr NebengebĂ€ude verwendet wurden, denen man wenig Pflege angedeihen ließ, gediehen hier Pflanzenpolster, spĂ€ter auch Pioniergehölze, ungestört und begannen ihre TĂ€tigkeit der Humusbildung. Da die Dichtungsmasse dieser DĂ€cher hauptsĂ€chlich aus Teer, einem Nebenprodukt der Kohleverarbeitung, besteht, und dieser Stoff einen gleichsam \"aseptischen\" Einfluß auf die Wurzeln hat, der ĂŒber Jahrzehnte erhalten bleibt, sind diese DĂ€cher auch heute noch dicht. Eine Durchwurzelung konnte ja nicht stattfinden. Die HolzzementdĂ€cher waren jedoch nie fĂŒr eine BegrĂŒnung vorgesehen und können somit auch schlecht als die eigentlichen VorlĂ€ufer heutiger begrĂŒnter DĂ€cher bezeichnet werden.

Es gab aber andere Versuche, so die von Carl Rabitz in Berlin um 1867, die davon ausgingen, eine begrĂŒnte DachflĂ€che als NutzflĂ€che zu schaffen.

1903 bauten die BrĂŒder Pervet ihr berĂŒhmtes Miethaus mit Terrassen und DachgĂ€rten in Paris.
1912 entstand das zweiseitig gestaffelte Terrassenhaus von Henry Sauvage.
1914 konstruierte Frank Lloyd Wright sein großes Restaurant mit zahlreichen nutzbaren DachflĂ€chen in Chicago.
Im selben Jahr entsteht Gropius Dachgartenrestaurant ĂŒber dem BĂŒrogebĂ€ude der Kölner Werkbundsiedlung.

Aber kein Werk eines Architekten ist so mit dem Element \"genutztes begrĂŒntes Dach\" verbunden, wie das von Le Corbusier. Er fragte: \"Ist es nicht wahrhaft wider alle Logik, wenn eine ganze StadtoberflĂ€che ungenutzt und der Zwiesprache mit den Sternen vorbehalten bleibt?\" Le Corbusier ist einer der ersten systematischen DachbegrĂŒner. Mit den fĂŒr die Großserienfertigung konzipierten Domino HĂ€usern von 1914 legte er die konstruktiven und gestalterischen Grundlagen fĂŒr die Nutzung von DachflĂ€chen. In der Folge sind zahlreiche Projekte, zum Teil mit eingezeichneten DachbegrĂŒnungen, entstanden. In den weiteren Standardisierungsideen, so der Zellenbauweise von 1924, werden alle Elemente, wie Freisitz, Balkon, Loggia, Terrasse und DachbegrĂŒnung in eine modulare Ordnung eingebunden. Bei der Villa Meyer wird 1925 die Nutzung der DachflĂ€che weiter bis hin zum Schwimmbad und \"grĂŒnem Zimmer\" detailliert und ab diesem Zeitpunkt sind Prinzip, Vokabularnutzung und Detail festgelegt. Mit dem Bebauungsvorschlag fĂŒr Algier 1933/34 wird dann das Terrassenhaus in einer Form ausgebildet, die erst nach dem 2. Weltkrieg Nachahmer finden sollte.

3. DachbegrĂŒnung
Im Gegensatz zu anderen Kulturkreisen, z.B. des mediterranen Raumes, sieht man bei uns das Dach noch immer in der Funktion des Bedeckens, BeschĂŒtzens. Vielleicht liegt es daran, daß man immer noch Unsicherheiten bezĂŒglich der Dichtigkeit befĂŒrchtet, oder Mehrkosten fĂŒr eine DachverstĂ€rkung in Kauf nehmen zu mĂŒssen glaubt. Eine RasenflĂ€che mit einem Schichtaufbau von 8 - 12 cm kann mit einem Gewicht von 1,5 - 3,5 KN/m2 angenommen werden. Mit diesen relativ geringen Gewichten sollte das statische Problem Dachgarten gelöst sein.

Die Wenigen zur Zeit bestehenden DachgĂ€rten können nicht als ein Allheilmittel gegen die Umweltbelastungen angesehen werden, aber eine Summierung aller möglichen grĂŒnen Oasen wĂŒrde eine EntschĂ€rfung des Stadtklimas bewirken.

Liest man sich durch die sogenannte GrĂŒnliteratur oder sieht sich die Palette der AusfĂŒhrungsbeispiele der Produktanbieter der DachbegrĂŒnung an, so ist heute scheinbar jedes Dach zu begrĂŒnen. Die technischen Voraussetzungen scheinen gegeben zu sein, sogar um die steilsten DĂ€cher mit einem Grasdach zu versehen.

Doch bevor man ein Dach begrĂŒnt sollte man sich grundsĂ€tzlich ĂŒber zwei Dinge, den Durchwurzelungsschutz und die TragfĂ€higkeit der Dachkonstruktion, im Klaren sein und die maximale Auflast der geplanten BegrĂŒnungsart durchrechnen. Basis jeder Art von DachbegrĂŒnung ist der Durchwurzelungsschutz, der die Dachhaut vor eindringenden Wurzeln schĂŒtzt. HierfĂŒr werden von der Industrie Wurzelschutzfolien, die zumeist aus Kunststoffbahnen oder Metallfolien bestehen, angeboten. Besser ist jedoch das Aufbringen eines bewehrten Schutzestrichs aus wasserundurchlĂ€ssigem Beton, der gleichzeitig eine Wanne fĂŒr Stauwasser in der Drainageschicht bilden kann, was aber wiederum zu einem Gewichtsaufschlag von mindestens 1,4 KN/m2 fĂŒhrt. Auf keinen Fall sollte die Wurzelschutzbahn direkt auf die Dachabdichtung aus Bitumen verlegt werden, da es vorkommen kann, daß flĂŒchtige Weichmacher aus dem Bitumen entweichen und die Kunststoffbahnen zersetzen.

Bei der Berechnung der Auflast der geplanten BegrĂŒnungsart unterscheiden wir grundsĂ€tzlich in intensive oder extensive DachbegrĂŒnung.

3.1 Allgemeiner Aufbau
GrundsĂ€tzlich ist fĂŒr alle DachbegrĂŒnungen auf FlachdĂ€chern zu sagen, daß der Dachaufbau bis zur Wurzelschutzfolie zum Aufgabengebiet des Architekten gehört und er verantwortlich zeichnen muß. Das heißt, eine Dacheindeckung nach DIN 18 195 muß vorgesehen werden. Die Verantwortung und somit auch die Haftung fĂŒr den ĂŒbrigen Aufbau obliegt dem BegrĂŒner.

Der Dachaufbau von GrĂŒndĂ€chern wird bis zur Dachabdichtung nach bekannten konstruktiven Gesichtspunkten ausgefĂŒhrt, zu beachten ist jedoch, daß die Konstruktion der höheren statischen Belastung gewachsen sein muß. Dennoch lassen sich auf fast allen Dachkonstruktionen BegrĂŒnungen vornehmen; ExtensivbegrĂŒnungen sind bereits mit einer FlĂ€chenlast möglich, die geringer ist als die einer KiesschĂŒttung. Hieraus lĂ€ĂŸt sich ersehen, daß DachbegrĂŒnungen auch nachtrĂ€glich durchgefĂŒhrt werden können.
Dachabdichtungen mĂŒssen besonders sorgfĂ€ltig ausgefĂŒhrt werden und aus bestĂ€ndigem Material sein, da spĂ€tere Reparaturen sehr aufwendig sind. Möglich sind Bitumenbahnen, Kunststoff- und Kautschukbahnen.
Die Trennschicht (in der Regel ein Rohglasvlies, 100 - 200 g/m2, lose verlegt) soll die mechanische BeschĂ€digung beim Aufbringen der DachbegrĂŒnung öder BeschĂ€digungen durch stĂ€ndig drĂŒckende Auflasten verhindern. Eine weitere Funktion ist die chemische Trennung von Wurzelschutzschicht und Dachabdichtung, da die Gefahr der Zersetzung der Wurzelschutzbahn besteht.
Die Wurzelschutzbahn hat die Aufgabe, die Durchwurzelung der Dachabdichtung zu verhindern. Zu Beginn des Kapitels wurde ihre Wichtigkeit schon besonders hervorgehoben.
Eine weitere Schutzschicht soll den Wurzelschutz vor mechanischen BeschÀdigungen wÀhrend der Bauarbeiten bewahren.
Die DrĂ€nschicht hat die Aufgabe der Wasserregulierung. ÜberschĂŒssiges Wasser aus der Bodenschicht muß abgefĂŒhrt werden, um eine VernĂ€ssung zu vermeiden. ZusĂ€tzlich hat sie die Aufgabe, Wasser ĂŒber einen lĂ€ngeren Zeitraum zu speichern, um Trockenperioden ausgleichen zu können. Die Ausbildung der DrĂ€nschicht ist stark abhĂ€ngig von der GefĂ€llesituation und der BegrĂŒnungsart. Die zu verwendenden Materialien mĂŒssen frostsicher, druckfest, dauerhaft bezĂŒglich der Materialstruktur und chemisch neutral sein. Sie dĂŒrfen außerdem keine pflanzenschĂ€digenden Stoffe abgeben. Es wird unterschieden zwischen SchĂŒttgĂŒtern (Kies, BlĂ€hton, BlĂ€hschiefer) und Matten (SchaumstoffdrĂ€nbahn, Styropor). Bei SchĂŒttgĂŒtern ist bezĂŒglich des Salz- und Kalkgehaltes darauf zu achten, daß speziell fĂŒr DachbegrĂŒnungen geeignete Stoffe ausgewĂ€hlt werden.
Die Filterschicht soll verhindern, daß feine abschlĂ€mmbare Bodenteilchen aus der Substratschicht in die DrĂ€nschicht gelangen und diese mit der Zeit zusetzen. Problematisch ist die Durchwurzelung der Filterschicht und die BeeintrĂ€chtigung ihrer Funktion durch absterbende Wurzeln. Hier kommen Spinn- und Glasfaservliese (aus Polypropylen, Polyamid und Polyester) in Frage. Filtervliese sollen verrottungsfest und UV - bestĂ€ndig sein sowie in beiden Richtungen wasserdurchlĂ€ssig sein, um den Pflanzen den Zugriff auf in der DrĂ€nschicht gespeichertes Wasser zu ermöglichen.
Die Substratschicht ist die eigentliche Bodenschicht, ersetzt also den Mutterboden. Sie hat NĂ€hrstoffe fĂŒr die Pflanzen zu speichern und soll gegen Mangel und ÜberdĂŒngung ausreichend gesichert sein. Je nachdem, ob es sich um Extensiv- oder IntensivbegrĂŒnungen handelt werden die verschiedensten hochwertigen Substratmischungen speziell fĂŒr DachbegrĂŒnungen angeboten.
Die Auswahl der Pflanzen sollte unter sorgfĂ€ltiger Beachtung der besonderen Umweltbedingungen auf dem Dach geschehen. FĂŒr ExtensivbegrĂŒnungen haben sich heimische Trockenrasen-, Halbtrockenrasengesellschaften und verschiedene Sedumarten bewĂ€hrt. FĂŒr die IntensivbegrĂŒnung werden schwachwĂŒchsige Gehölze, mehrjĂ€hrige Stauden und GrĂ€ser sowie diverse einjĂ€hrige Pflanzen empfohlen. AllgemeingĂŒltige Rezepte hinsichtlich der Bepflanzung kann es jedoch wegen der allzu komplexen ZusammenhĂ€nge nicht geben.
3.2 Intensive DachbegrĂŒnung
Unter IntensivbegrĂŒnung versteht man einerseits eine flĂ€chige BegrĂŒnung mit Rasen, Stauden und Gehölzen und andererseits auch punktuelle BegrĂŒnungen mit StrĂ€uchern und BĂ€umen.

Diese BegrĂŒnungsart benötigt eine Substratdicke von mindestens 20 cm und einen relativ aufwendigen Dachaufbau. (Hier ist ausdrĂŒcklich darauf hinzuweisen, daß in der meisten Literatur reine GrasdĂ€cher, Wiesencharakter, der extensiven DachbegrĂŒnung zugeordnet werden. Das ist falsch, da WiesengrĂ€ser Tiefwurzler sind und Substratschichten von mindestens 15 - 20 cm benötigen).

Bei einer Substratdicke von 60 cm kann dies eine Auflast von bis zu 10 KN/m2 bringen. Das Substrat gleicht dann annĂ€hernd gewachsenem Boden, entsprechend einem Hausgarten. Jedoch erfordern Nutzpflanzen auf DĂ€chern einen höheren Pflegeaufwand als in gewöhnlichen HausgĂ€rten, da das auf dem Dach herrschende Kleinklima rauher ist und die Feuchtigkeitsschwankungen im Substrat grĂ¶ĂŸer sind.

Außerdem mĂŒssen Sicherheitsbestimmungen eingehalten werden, die denen fĂŒr Balkone entsprechen, so zum Beispiel 90 cm hohe BrĂŒstungen, da dieses Dach ja begehbar sein muß.

3.3 Extensive DachbegrĂŒnung
Eine extensive DachbegrĂŒnung wird dadurch gekennzeichnet, daß sie leicht und pflegearm begrĂŒnt ist, und somit auch nicht als FreiflĂ€che fĂŒr den Aufenthalt von Personen geeignet ist.

Sie umfaßt die flĂ€chige BegrĂŒnung mit Moosen, Sedum- und Sempervivumarten; diese HalbtrockengrĂ€ser und KrĂ€uter ergeben eine niedrig wachsende Vegetation. Hier werden Substratdicken von 2 - 7 cm benötigt, die eine zusĂ€tzliche Auflast von 1,5 - 2,5 KN/m2 bringen.

Man unterscheidet bei ExtensivbegrĂŒnungen zwischen der SchĂŒttbauweise und der Mattenbauweise. Die erstere besteht aus vorgemachten Substraten, die in StĂ€rken von 3 - 7 cm auf die Filterschicht aufgebracht werden. Bei der Mattenbauweise handelt es sich um vorgefertigte Matten aus Schaumstoff, Filzen bzw. Steinwolle, die durch ZusĂ€tze von Humusstoffen optimiert werden.

Die extensive Pflanzung empfiehlt sich besonders fĂŒr nachtrĂ€gliche DachbegrĂŒnungen. Die Pflanzen mĂŒssen bei diesem BegrĂŒnungstyp weitgehend unempfindlich gegen starke Sonneneinstrahlung sein und hohe Temperatur- und Bodenfeuchtigkeitsschwankungen vertragen. Bei der extensiven BegrĂŒnung von FlachdĂ€chern tritt jedoch hĂ€ufig das Problem der StaunĂ€sse auf, das durch den Einbau einer zusĂ€tzlichen Drainageschicht in den Griff zu bekommen ist.

Sehr gĂŒnstige Bedingungen fĂŒr ExtensivbegrĂŒnungen bieten DĂ€cher mit Neigungen zwischen 5 und 15 Grad. Da in diesem Fall das ĂŒberschĂŒssige Regenwasser abfließen kann, kann man auf eine Drainageschicht verzichten, ohne das Auftreten von StaunĂ€sse im Wurzelbereich befĂŒrchten zu mĂŒssen.

Es können aber auch wesentlich steilere DĂ€cher begrĂŒnt werden, wie zum Beispiel mit speziellen Gittergeweben oder einer sogenannten Krall-Drain-Matte, in dem das Substrat bzw. die Wurzeln Halt finden. Mit horizontal verlegten Rutschschwellen (System Minke) kann man Dachneigungen bis ĂŒber 45 Grad bepflanzen, ob dies jedoch sehr sinnvoll ist, sei dahingestellt. Ein heftiger Regenguß nach der Fertigstellung des Aufbaus bzw. Vor dem Aufgehen der Saat kann das Substrat abschwemmen, was nicht nur die Zerstörung der ganzen Arbeit zur Folge hat, sondern auch die komplette DachentwĂ€sserung verschlammt. Es sei auch dahingestellt, ob bei DĂ€chern mit ĂŒber 45 Grad Neigung selbst bei GrĂ€sern mit starken Wurzeln die Erosionsgefahr gebannt werden kann.

Die Wasser- und NĂ€hrstoffversorgung bei dieser Art von DĂ€chern und ihrer Bepflanzung ist im unteren Teil des Dachbereiches bzw. zur DachentwĂ€sserung hin bedeutend besser als im oberen Teil, was dazu fĂŒhrt, daß die GrĂ€ser dort stĂ€rker wachsen und noch saftig grĂŒn sind, wenn der obere Bereich bereits gelb geworden ist.

Eine intensive BegrĂŒnung ist auf SatteldĂ€chern nahezu unmöglich, da die starken Substratschichten an der Traufkante SchubkrĂ€fte hervorrufen, die sehr aufwendige konstruktive Vorleistungen erfordern wĂŒrden, und so in keinem VerhĂ€ltnis zueinander stehen.
Eine weitere Möglichkeit der Dachgestaltung ist in der Anlage eines Feuchtbiotops auf dem Flachdach zu sehen. Allerdings erfordert das Auflagegewicht eines TĂŒmpels oder Teiches entsprechende statische Voraussetzungen und dĂŒrfte somit fĂŒr die nachtrĂ€gliche AusfĂŒhrung nicht geeignet sein.

3.4 AusfĂŒhrung spezieller Bereiche der DachbegrĂŒnung
3.4.1 An- und AbschlĂŒsse

An- und AbschlĂŒsse sowie Durchdringungen \"sind von organischen Stoffen freizuhalten. Sie werden aus gewaschenem Rollkies ĂŒblicherweise mit der Körnung 16/32 als Randsicherheitsstreifen in ca. 50 cm Breite ausgebildet. Die Dachdichtung ist gemĂ€ĂŸ den Flachdachrichtlinien mindestens 10 cm im Dachrandbereich und mindestens 15 cm im Wandanschlußbereich ĂŒber OK Randsicherheitsstreifen hochzufĂŒhren. Statt des Kiesbelages sind auch PlattenbelĂ€ge denkbar.\" (DĂŒsdieker 1987; S. 198)

\"Der Randstreifen \"bietet ab 5 cm Dicke zusammen mit einer mechanischen Randbefestigung außerdem in den Randzonen eine Windsogsicherung.\"

\"Kiesrandstreifen helfen auch dort, wo die Einhaltung der Mindestanschlußhöhen aufgrund der MĂ€chtigkeit von DrĂ€n- und Vegetationsschichten Schwierigkeiten bereiten. Durch Anböschen oder Begrenzungselemente kann die Konstruktionshöhe aller fĂŒr die BegrĂŒnung erforderlichen Schichten auf die Dicke der Kieslage reduziert werden.\" (Hoch 1989; S. 560)

\"Bei der Ausbildung von An- und AbschlĂŒssen der Abdichtung unter DachbegrĂŒnungen ist davon auszugehen, daß auch hier eine Wurzelschutz erforderlich wird. Wurzeln können sich in der Drainageschicht ausbreiten und auch unter den KiesrĂ€ndern bis zu den AnschlĂŒssen gelangen.\" (Hoch 1988; S. 298)

\"Wurzelschutzschichten sind ĂŒber Oberkante Substrat hochzufĂŒhren und anzuschließen. Die Verwahrung kann zusammen mit der Dachabdichtung oder bei nachtrĂ€glicher Montage separat erfolgen.\" (DGR 1990)

Durch mangelnde Anschlußhöhen schaffen TĂŒraustritte bezĂŒglich der AnschlĂŒsse an die Abdichtung oft Probleme Mit Ablaufrinnen in unmittelbarer TĂŒrschwellennĂ€he und Erhöhung der TĂŒrschwellen können annehmbare Lösungen erzielt werden. Die BegrĂŒnung sollte jedoch mindestens 1,50 m vom Terrassenaustritt zurĂŒck liegen.

3.4.2 Bauwerksfugen

Dehnungsfugen werden aus der Wasserebene herausgehoben und [...] beidseitig mit Kiesrandstreifen versehen.\"

3.5 Brandschutz - GrĂŒndĂ€cher als \"harte Bedachung\"
3.5.1 Brandrisiko

FĂŒr die Brandsicherheit ist die Bestimmung des Brandrisikos aus den Faktoren

Brandentstehungsmöglichkeiten
Brandausbreitungsmöglichkeiten
Brandlast
entscheidend.

Als Gefahren beim GrĂŒndach werden

die ZĂŒndung und rascher Abbrand vertrockneter Bepflanzungen, gerade bei der nicht regelmĂ€ĂŸig gewarteten extensiven Bepflanzung und
die Glimmgefahr des Substrates aufgrund der darin enthaltenen organischen Bestandteile angesehen.
Brandversuche bei der Forschungs- und MaterialprĂŒfanstalt Baden-WĂŒrttemberg haben gezeigt, daß in der Regel die Brandgefahr von GrĂŒndĂ€cher ĂŒberschĂ€tzt wird. Brandentstehungsvorbeugend wirkt eine funktionierende Wasserspeicherung (Feuchtigkeit) der DrĂ€nschicht und der Vegetationsschicht. Ebenfalls vorbeugend wirken AbstandsflĂ€chen zwischen begrĂŒnten Bereichen und anderen GebĂ€udeteilen aus Kiesstreifen oder PlattenbelĂ€gen (Gehwege, Randstreifen).

4. BegrĂŒnte Fassaden
4.1 Geschichtlicher Hintergrund der FassadenbegrĂŒnung
Im abendlĂ€ndischen Kulturkreis werden \"bekleidete HĂ€user\" erstmals mit der römischen Antike explizit erwĂ€hnt. Römische Villen wurden mit hĂ€ngenden und kletternden Pflanzen geschmĂŒckt.

Im Mittelalter gab es \"wein- und rosenĂŒberspannte LaubengĂ€nge und Mauern\" in Kloster- und Burganlagen. WĂ€hrend der Renaissance und des Barocks wurden die WĂ€nde von Schlössern und anderen reprĂ€sentativen Bauten begrĂŒnt. Vor allem fanden Kletterpflanzen auch in den ausladenden, pflanzenarchitektonisch angelegten LandschaftsgĂ€rten Anwendung.

An klassizistischen Villen und LandhĂ€usern (siehe Schinkel) wurden Kletterpflanzen als großzĂŒgige Akzente baulicher Elemente verwendet. Auch die Architektur der Moderne greift auf Kletterpflanzen als kontrastreiches Gestaltungsmittel zur klaren, ornamentlosen Formensprache zurĂŒck.

In den 50 er und den darauffolgenden Jahren taucht FassadengrĂŒn allenfalls als Zierrat an spĂ€rlichen, zurechtgestutzten RankgerĂŒsten auf. Im Zuge der Urbanisierung spielt die BegrĂŒnung von HauswĂ€nden zunĂ€chst keine Rolle, doch ist die verstĂ€rkte Anwendung heute als eine Reaktion darauf zu verstehen.

4.2 Ökologische und ökonomische Funktionen der FassadenbegrĂŒnung
Eine begrĂŒnte Fassade hat nicht nur Ă€sthetische Reize, sondern ist wohl auch die einfachste Möglichkeit das Ă€ußere Erscheinungsbild eines Hauses individuell zu gestalten. DarĂŒber hinaus wird das Innenklima durch das FassadengrĂŒn positiv beeinflußt und das Stadtklima verbessert.

Hier nochmals eine kurze Zusammenfassung der bereits anfangs erwÀhnten Effekte:

WÀrmedÀmmung des Luftpolsters
Verringerung des WÀrmeverlustes des GebÀudes durch Abhalten des Windes von der Fassade
Verringerung des WĂ€rmeverlustes des GebĂ€udes durch Reflexion und Absorption eines Teils der langwelligen, vom GebĂ€ude nach außen dringenden WĂ€rmestrahlung
Verringerung des WĂ€rmeverlustes infolge der durch nĂ€chtliche Kondenswasserbildung (Tauwasser) entstehenden WĂ€rmerĂŒckgewinnung
Umwandlung der Windenergie in WĂ€rme
KĂŒhlwirkung bei Sonneneinstrahlung durch WĂ€rmeverbrauch fĂŒr die Verdunstung, Strahlenabsorption fĂŒr die Photosynthese und Strahlenreflexion
Verringerung der Schmutzaufwirbelung durch mechanische und thermische Bremsung der vertikalen Luftbewegung entlang der Fassade (durch Blattbewegung und KĂŒhlung)
Reinigung der Luft von Schmutzpartikeln
Anreicherung der Luft mit Sauerstoff
Anreicherung der Luft mit Feuchtigkeit
Schallschutz durch Schallreflexion und -absorption, sowie Minderung der subjektiven LÀrmwahrnehmung durch windbedingte Rausch- und RaschelgerÀusche in den BlÀttern
Erhöhung der Fugendichtigkeit von WĂ€nden, Fenstern und TĂŒren durch Verringerung des Winddruckes
Schutz von Anstrichen, Putz und Mauerwerk vor starken Temperaturschwankungen, ultravioletten Strahlen und Schlagregen (dadurch VerlÀngerung ihrer Lebensdauer)
Die Angst vieler HauseigentĂŒmer, daß Putzschichten oder Mauerwerk durch Selbstklimmer wie Efeu oder Wilder Wein zerstört oder beschĂ€digt werden, ist unbegrĂŒndet.

Die Haftwurzeln des Efeus und die Haftscheiben des Wilden Weins greifen den Mörtel nicht an, dringen nicht in den Putz ein und weisen auch kein Dickenwachstum auf, so daß sie keine sprengende Wirkung in Fugen oder Rissen bewirken können. Es kann allerdings passieren, daß bei bereits stark geschĂ€digtem Mauerwerk mit dicken Fugen verholzende Triebe in die Fugen geraten und sie dadurch vergrĂ¶ĂŸern bzw. Mauerwerksteile zum Abplatzen bringen.

Im Allgemeinen jedoch verlÀngert eine dichte Bepflanzung, durch ihren Schutz vor UV-Strahlung und Schlagregen die Lebensdauer von Anstrich, Putz und Mauerwerk.

Meist werden auch hygienische GrĂŒnde gegen eine FassadenbegrĂŒnung angefĂŒhrt. Doch allein die Tatsache, daß etliche KrankenhĂ€user und KindergĂ€rten dicht mit Wildem Wein ĂŒberzogene Fassaden haben und diese noch nie von den GesundheitsĂ€mtern beanstandet wurden, zeigt, daß diese BefĂŒrchtungen unbegrĂŒndet sind. Die Insekten in begrĂŒnten Fassaden stellen keinerlei Gefahr fĂŒr Menschen dar, sie bewirken eher einen positiven Effekt, in dem sie Vögel anlocken, denen sie als Nahrung dienen.

4.3 Voraussetzungen fĂŒr die BegrĂŒnung von Fassaden
Das Angebot an Fassadenpflanzen ist vielfÀltig und jede dieser Pflanzen hat spezielle Eigenschaften, bietet Vorteile, die sich gezielt einsetzen lassen.
Jedoch mĂŒssen diese Pflanzeigenschaften und die Standortbedingungen aufeinander abgestimmt werden, um einerseits die Vorteile der FassadenbegrĂŒnung nutzen zu können und andererseits SchĂ€den am Bauwerk oder an den Pflanzen zu verhindern.

Es bestehen AbhÀngigkeiten zwischen Höhe, Orientierung , Konstruktion des Hauses bzw. Der Wand und Wuchseigenschaften, Anforderungen an BodenverhÀltnisse, Laubwurf und Lichtbedarf der Pflanze.

1. Orientierung der FlÀchen zur Himmelsrichtung und Lichtbedarf bzw. Laubwurf der Pflanzen

Nordorientierte FassadenflĂ€chen eignen sich fĂŒr Pflanzen, die keine direkte Sonnenbestrahlung brauchen, wie zum Beispiel Efeu. Da eine passive Nutzung der Sonnenenergie praktisch nicht möglich ist, empfiehlt sich eine großflĂ€chige, dichte BegrĂŒnung mit immergrĂŒnen Pflanzenarten an den Nordfassaden von GebĂ€uden. So kann die DĂ€mmwirkung von FassadengrĂŒn voll zum Tragen kommen. Dabei ist allerdings zu beachten, daß es bei dichten Pflanzenpolstern zu Tauwasserbildung an der WandoberflĂ€che und damit zur Durchfeuchtung des Wandkonstruktion kommen kann.
Westorientierte Pflanzen werden am stĂ€rksten durch Schlagregen, Wind und hohe Strahlungsmengen beansprucht. Auch hier ist eine großflĂ€chige Bepflanzung mit dementsprechend robusten, immergrĂŒnen Pflanzen sinnvoll. Die Wandkonstruktion wird vor SchĂ€den durch WitterungseinflĂŒsse bewahrt, das Innenraumklima unterliegt geringeren witterungsbedingten Schwankungen. SĂŒd- und Ostfassaden sind die geschĂŒtzteren Seiten eines Hauses. Sowohl immergrĂŒne als auch sommergrĂŒne Pflanzen mit geringem Bedarf an direkter Strahlung können fĂŒr ostorientierte FlĂ€chen gewĂ€hlt werden.
Da sich SĂŒdwĂ€nde im Sommer am stĂ€rksten aufheizen, es also die wĂ€rmste Lage ist, kann hier Spalierobst gepflanzt werden. Von einer großflĂ€chigen, immergrĂŒnen Bepflanzung wird abgeraten. Zum Einen befinden sich in der Regel an der SĂŒdfassade Balkone oder WintergĂ€rten und die meisten Fensteröffnungen, was die BegrĂŒnung mit Selbstklimmern unnötig pflegeaufwendig macht, zum Anderen wĂŒrde ein Pflanzenpolster im Winter die passive Nutzung von Sonnenenergie verhindern.

2. Höhe des Hauses bzw. Fassadengliederung und Wuchshöhe bzw. WĂŒchsigkeit

Die maximale Wuchshöhe einer Pflanze sollte die GebĂ€udehöhe nicht ĂŒbersteigen. Selbstklimmende Pflanzen sind in ihrer Wuchsrichtung nicht kontrollierbar. Wenn Teile der Fassade nicht begrĂŒnt werden sollen, sollten deshalb GerĂŒstklimmer verwendet werden.

3. Erforderliche BodenverhÀltnisse

Eines gilt jedoch fĂŒr alle Kletterpflanzen, sie sollten genĂŒgend große Pflanzgruben erhalten. Diese sollten mindestens 60 - 100 cm tief, 40 - 50 cm breit und 60 - 75 m lang sein und mit einer Mischung aus Muttererde und Komposterde gefĂŒllt werden. Ist die Pflanzgrube zu klein, entsteht der sogenannte \"Blumentopfeffekt\", d.h. die Wurzeln wachsen nicht ins umgebende Erdreich, bekommen deswegen zu wenig NĂ€hrstoffe und die Pflanze verkĂŒmmert.

4.4 Pflanzenarten
Entscheidend fĂŒr die Auswahl der Pflanzen ist unser Klima. Die Pflanzen sollen winterhart sein, so daß sie in der Lage sind lĂ€ngere Frostperioden zu ĂŒberstehen. Weiterhin ist zu klĂ€ren, ob immergrĂŒne Pflanzen oder blattabwerfende Kletterpflanzen zu wĂ€hlen sind.

Bei der Auswahl der Pflanzen muß entscheiden werden, ob Rankhilfen erforderlich werden oder nicht. Es gibt jedoch nur wenige Kletterpflanzen, die ohne Rankhilfe auskommen. Hierzu gehören die Wurzelkletterer wie Efeu und Kletterhortensien und die Ranker mit Haftscheiben, wie Wilder Wein und selbstklimmender Wein.

Alle ĂŒbrigen benötigen KlettergerĂŒste.

Hier unterscheiden wir in:

Schlinger, die sich um dĂŒnne GegenstĂ€nde drehen, wie zum Beispiel Zaunwinde, Bohnen, Hopfen, Schlingenknöterich usw.
Reine Ranker, die sich mit ihren BlĂ€ttern oder BlĂŒtenstielen an geeigneten GegenstĂ€nden festhalten, wie zum Beispiel Staudenwicke, Erbsen, FlaschenkĂŒrbis, Kapuzinerkresse, Passionsblume.
Spreizklimmer, die sich mit Hilfe von Dornen oder Seitentrieben festhalten, wie zum Beispiel Winterjasmin, Brombeere, Kletterrosen.
Spalierpflanzen, die an GerĂŒste angebunden werden mĂŒssen, wie zum Beispiel alle Obstbaumsorten, Tomaten, Feuerdorn etc.
4.5 Kletterhilfen
Bei der Entscheidung fĂŒr eine GerĂŒstkletterpflanze mĂŒssen Vor- und Nachteile von Kletterhilfen gegeneinander abgewogen werden.

1. Holz

Bei ein- oder zweigeschossigen Fassaden lassen sich relativ einfach KlettergerĂŒste aus Dachlatten herstellen. Sie sollten im Abstand von 10 - 20 cm von der Wand angebracht werden.
Jedoch hat Holz unter Bewuchs allgemein eine geringe Lebensdauer. Geeignetes Material ist zum Beispiel Fichte., Wichtig ist, bei der Verwendung von Holz sollte ein pflanzenvertrĂ€gliches Holzschutzmittel eingesetzt werden. AusfĂŒhrungen in Diagonalverlattung sind vorteilhaft, da sich auf dem Holz keine Feuchte ablagern kann. (GĂŒnstig fĂŒr Schlinger/Winder und Ranker). Bei Horizontalkonstruktionen kann Feuchteablagerung durch AbschrĂ€gen der Holzlatten vermieden werden. Alle Verbindungen mĂŒssen feuchteunempfindlich ausgefĂŒhrt werden.
Da sich durch das VorhĂ€ngen eines GerĂŒstes und durch den anschließenden Bewuchs die Wandstatik verĂ€ndert, mĂŒssen die Verankerungen einen ausreichend sicheren Stand gewĂ€hrleisten. Das AbhĂ€ngen der Gitter (Rankgitter, Spanndrahtkonstruktionen) muß möglich sein, um Reparatur- und Wartungsarbeiten an der Fassade durchfĂŒhren zu können.

2. Metall

Bei höheren Fassaden ist es besser, Seile aus Edelstahl zu spannen. Sie sollten in AbstÀnden von 35 - 60 cm entweder an, in die Wand gesetzte Haken oder an horizontale Holzprofile, die oben und unten an der Fassade verlaufen, gespannt werden.

Kletterhilfen aus Metall kommen hÀufig zur Anwendung, jedoch sind folgende Punkte zu beachten:

Korrosionsschutz muß gewĂ€hrleistet sein,
das Problem der hohen WĂ€rmeleitfĂ€higkeit mit SchĂ€den fĂŒr die Pflanze ist ungelöst. Hierzu können keine Aussagen gemacht werden,
Edelstahlseile (teuer) empfehlen sich fĂŒr Pflanzen mit hoher Lebenserwartung. Ideal sind Durchmesser von 6 - 8 mm,
verzinkter Draht, kunststoffummantelter Draht empfiehlt sich fĂŒr kurzfristige BegrĂŒnungen und kleinflĂ€chigen Bewuchs,
bei Einsatz von Gitterkonstruktionen und Baustahlmatten sollten diese beschichtet, am besten feuerverzinkt ausgefĂŒhrt sein,
Teile zur Befestigung der Kletterhilfe sollen aus Edelstahl oder Messing sein,
Spannvorrichtungen mĂŒssen auf Funktionsverlust durch Rosten geprĂŒft werden.
3. Kunststoff

ist ein eher ungeeignetes Material. Probleme bereitet die UV-LichtunbestÀndigkeit, zudem sind Kunststoffe nicht feuerbestÀndig.

4. PflanzbehÀlter

Die einzige Möglichkeit, höhere Fassaden relativ schnell zu begrĂŒnen, besteht darin, bereits mehrjĂ€hrige Pflanzen in BehĂ€ltern in bestimmte Höhen an der Fassade zu befestigen, von denen aus die oberen Bereiche der Fassade fĂŒr eine Übergangszeit begrĂŒnt wird.
Die PflanzbehÀlter können dann schrittweise entsprechend dem Wachstumsstand der bodenstÀndigen Vegetation wieder abgenommen werden.

Efeu, Wilder Wein und Selbstklimmender Wein wachsen in BehĂ€ltern, allerdings mĂŒssen diese BehĂ€lter relativ groß sein. HierfĂŒr bieten sich BehĂ€lter, bestehend aus hochfesten Polyestergewebe, das mit einem UV-bestĂ€ndigen Kunststoff beschichtet ist, an. Sie haben den Vorteil, daß man zu ihrer Befestigung lediglich Haken bzw. DĂŒbel mit Schrauben benötigt. Sie lassen sich auch strickleiterartig mit VerbindungsbĂ€ndern untereinanderhĂ€ngen.

Bei der BehĂ€lterbepflanzung ist jedoch dafĂŒr zu sorgen, daß die Pflanzenerde stets eine ausreichende Feuchtigkeit besitzt. Steht das Wasser in den BehĂ€ltern bis zum Rand, so wird die Luft aus der Erde gedrĂŒckt, die Wurzeln ersticken und die Erde wird sauer. ÜberlĂ€ufe fĂŒr ĂŒberschĂŒssiges Wasser sind also unumgĂ€nglich. Es empfiehlt sich den unteren Bereich des BehĂ€lters als Wasserspeicher auszubilden und ein BewĂ€sserungssystem vorzusehen, das manuell, halbautomatisch oder automatisch betĂ€tigt wird.

BodenschĂŒssige FassadenbegrĂŒnungen sind im allgemeinen wenig pflegebedĂŒrftig. Selbstklimmer breiten sich von alleine ĂŒber die Fassade aus. Jedoch sollten jĂŒngere Trieb ab und an festgebunden werden. Rank- und Schlingpflanzen sollten gelegentlich geschnitten werden.





Berlin, den 12. Juli 1996
Dipl.-Ing. Thomas Roemert

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Seite erstellt am: 12. Juli 1996
Zuletzt geÀndert am Sonntag, 5. Januar 1997
03 Mar 2008
17:45:32
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